Geschichte der Kerwe in Weinheim

 

Die Weinheimer Kerwe ist das größte Altstadtfest an der Bergstraße und findet jedes Jahr am zweiten Augustwochenende (meist Freitag bis Montag) statt. Sie verbindet traditionelles Brauchtum mit Volksfest- und Party-Stimmung in der historischen Altstadt, vor allem im Gerberbachviertel, auf dem Marktplatz und umliegenden Plätzen.

Ursprung und Vorgeschichte

Eine Kirchweih (Kerwe) gab es in Weinheim schon viel länger – traditionell wurde sie vor allem in der Nordstadt gefeiert, mit Elementen wie einem Kerwepaar und Kerweredd. Allerdings fehlte ihr ein verbindendes, zentrales Element.

Die moderne Form seit 1957

Die heutige Altstadt-Kerwe entstand in ihrer aktuellen Form Ende der 1950er Jahre:

  • 1955: Die Stadt nutzte die 1200-Jahr-Feier Weinheims für ein großes Fest auf dem Marktplatz. Das diente als Vorbild.
  • 1956: Neun Männer bildeten einen Arbeitskreis, um die Kerwe aufzuwerten und in die Innenstadt zu verlegen.
  • 10.–12. August 1957: Die erste Altstadtkerwe fand statt – das gilt als Geburtsstunde der modernen Weinheimer Kerwe.

Seitdem hat sie sich stark entwickelt: In den 1960er Jahren kamen weitere Bereiche wie die Rote Turmstraße, Amtshausplatz und vor allem das Gerberbachviertel hinzu. Highlights wie die Gerberbach-Regatta (seit 1962), das Kerwehaus und die Kerwerutsche prägten das Fest. Der Verein Weinheimer Kerwe pflegt nicht nur das Fest, sondern auch historische Gebäude im Viertel.

Ausfälle während der Corona-Pandemie

Die Kerwe blieb von der COVID-19-Pandemie nicht verschont. 2020 und 2021 wurde die Weinheimer Kerwe abgesagt – zum zweiten Mal in Folge 2021 aufgrund der unsicheren Lage und geltender Beschränkungen. Die Stadt und der Veranstalter gingen früh davon aus, dass ein normales Volksfest nicht möglich sein würde. Es gab Überlegungen zu kleinen, dezentralen Alternativprogrammen, aber die große Altstadt-Kerwe mit Rummel, Straußwirtschaften und Umzug fiel aus. Das traf vor allem Schausteller, Wirte und den Kerweverein hart. Erst 2022 konnte das Fest wieder (weitgehend) normal stattfinden.

Heutige Bedeutung

Die Kerwe ist eine gelungene Mischung aus Tradition (Kerweumzug, Kerwepaar, Brauchtumspflege) und moderner Festkultur (Rummel, Straußwirtschaften, Musik, Riesenrad, Nacht der 1000 Lichter). Sie zieht Zehntausende Besucher an und ist ein Markenzeichen Weinheims.

Das „Genuss-Kerwe“-Konzept (seit 2023)

Nach Beschwerden von Anwohnern (vor allem im Gerberbachviertel) über Lärm und Überfüllung hat die Stadt Weinheim zusammen mit Wirten und dem Kerweverein ein neues Beschallungs- und Sicherheitskonzept eingeführt. Ziel: weg von der lauten „Bumbum-Kerwe“ (wummernde Bässe, Ballermann-Stimmung) hin zu mehr Genuss, Kulinarik und Gemütlichkeit. 

  Marktplatz als Genussmeile: Die Marktplatzwirte setzen auf hochwertige Gastronomie statt lauter Partyzelte. Jedes Lokal bietet Spezialitäten an Ständen an. Es gibt (weniger laute) Bühnen mit Musik oder Kulturprogramm statt Remmidemmi. Die Idee war schon länger in Planung, passte aber gut zu den neuen Regeln. 

  Weniger Lärm: Keine Beschallung in die Gassen (z. B. Münz- und Judengasse). Musikboxen nur innen oder in Höfe gerichtet. Bei Überschneidungen braucht es ein gemeinsames Konzept. Obergrenze ca. 70 dB.

  Sicherheit & Platz: Weniger Stände, die Massen bündeln, um Engpässe zu vermeiden. Das sorgt für besseres Durchkommen und mehr Sicherheit (Zusammenarbeit mit Feuerwehr, DRK und externen Experten).

Das Konzept hat sich etabliert: Die Kerwe 2025 war rekordverdächtig erfolgreich (bis zu 50.000 Besucher), mit Fokus auf Tradition, Straußwirtschaften, Rummel und der „Nacht der 1000 Lichter“. Es bleibt eine Mischung aus Brauchtum und entspannter Feier – nicht jeder war anfangs begeistert, aber es hat sich bewährt. 

Absperrungen & Sicherheitskonzept

Es gibt ein umfassendes Sicherheitskonzept (von externen Experten mit Stadt und Veranstaltern erarbeitet). Dazu gehören Absperrungen, um:

  Menschenmassen in engen Gassen zu kanalisieren,

  Notfallzufahrten frei zu halten,

  bestimmte Bereiche (z. B. Schlosspark bei der Lichter-Nacht) zu kontrollieren.

Kosten: Die Kerwe selbst ist eintrittsfrei (außer ggf. für spezielle Attraktionen wie das Riesenrad oder einzelne Stände). Die „Nacht der 1000 Lichter“ war 2025 sogar komplett kostenlos. Spezifische Kosten für Absperrungen/Zäune werden nicht öffentlich detailliert ausgewiesen – sie fallen unter die allgemeinen Veranstaltungskosten (Stadt, Kerweverein, Sponsoren). Es gibt Gebühren für Schausteller und Budenbetreiber (seit 2003 einheitlich geregelt), die das Fest mitfinanzieren. 

Die Maßnahmen dienen vor allem der Sicherheit und dem Erhalt der Lebensqualität für Anwohner, ohne das Fest zu „töten“.